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Studieren ohne Abitur

Studieren ohne Abitur

Wer in Deutschland an einer Hochschule studieren möchte, benötigt dazu in der Regel die sogenannte Hochschulreife. Unter bestimmten Voraus- setzungen jedoch ist das Studieren auch ohne Abitur möglich.

Mit dem Meistertitel zum Studium

Eine Möglichkeit zu studieren ohne Abitur oder Fachhochschulreife, bietet der Meister-Abschluss. Mit ihm besitzen Studienbewerber die allgemeine Hochschulreife und können in den meisten Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland ein beliebiges Fach studieren. Allein in Brandenburg muss das Studium fachlich mit der bisherigen Berufstätigkeit verwandt sein. Wer keinen Meistertitel nach der Handwerksordnung hat, sondern einen vergleichbaren Fortbildungsabschluss, hat je nach individueller Regelung der Bundesländer dennoch die Möglichkeit, zu studieren ohne Abitur. In den meisten Bundesländern muss der Fortbildungsabschluss nach Berufsbildungsgesetz oder Handwerksordnung einen Umfang von mindestens vierhundert Stunden gehabt haben. Sinnvoll ist es in diesem Fall, die Hochschulgesetze der Bundesländer, in denen die Hochschule der Wahl liegt, zu Rate zu ziehen. Hierin sind die Zugangsvoraussetzungen für ein Studium ohne Abitur geregelt.

Manche Bundesländer, mitunter auch einzelne Hochschulen, fordern neben dem Meistertitel oder einem vergleichbaren Fortbildungsabschluss einen Nachweis über die Inanspruchnahme eines Beratungsgespräches an der Hochschule. Ob ein solcher Nachweis neben dem Meistertitel bei der Bewerbung vorgelegt werden muss, darüber informiert die Hochschule, an der das Studium aufgenommen werden soll. In jedem Fall empfiehlt sich ein Studienberatungsgespräch, in dem genau abgeklärt werden kann, welche Unterlagen der Bewerbung in welcher Form beizufügen sind.

Studieren mit abgeschlossener Berufsausbildung

Der Zugang zum Studium ohne Abitur wird nicht nur Inhabern von Meistertiteln gewährt, sondern auch beruflich Qualifizierten. Die Regelungen unterscheiden sich in diesem Fall von Bundesland zu Bundesland. Allen gemeinsam ist, dass die Berufsausbildung mindestens zwei Jahre gedauert hat und eine mindestens dreijährige Berufserfahrung vorliegt. Hinsichtlich der Berufserfahrung gibt es von Bundesland zu Bundesland Unterschiede beziehungsweise Sonderregelungen. Zeiten für die Erziehung oder Pflege von Kindern oder Angehörigen werden in der Regel bis zu einem Jahr anerkannt. In Hessen ist es beispielsweise auch möglich, bereits nach zwei Jahren Berufserfahrung mit einem Studium zu beginnen. Die ersten zwei Semester des Studiums können dann als Berufserfahrung angerechnet und damit die Zugangsberechtigung erworben werden. In vielen Bundesländern wird bei beruflich Qualifizierten verlangt, dass der gewählte Studiengang fachlich mit der abgeschlossenen Berufsausbildung verwandt ist. Wer ein Studium in einem anderen Bereich aufnehmen möchte, hat in Hessen die Chance, eine Weiterbildung in einem dem angestrebten Studium fachlich verwandten Bereich zu absolvieren. Hat diese einen Umfang von mindestens vierhundert Stunden, kann dadurch eine fachlich gebundene Hochschulzugangsberechtigung erhalten.

Studieren nach Ablegen einer Begabten- oder Hochschulzugangsprüfung

Die Hochschulzugangsprüfung, mitunter Begabtenprüfung genannt, stellt eine Möglichkeit dar, die Hochschulzugangsberechtigung für ein Fach zu erwerben. Die Voraussetzungen, die der Studienbewerber dafür mitbringen muss, sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Daher ist es unabdingbar, sich mit den gesetzlichen Regelungen der infrage kommenden Bundesländer auseinander zu setzen, bevor man das Ablegen einer solchen Prüfung in Betracht zieht. Oft werden in der Prüfung Fähigkeiten und Kenntnisse abgefragt, die für das angestrebte Studienfach erforderlich sind. Vor allem kommt es jedoch darauf die Fähigkeit zu eigenständigem, vernetztem Denken, das Erkennen von Zusammenhängen und das Verstehen wissenschaftlicher Strukturen nachzuweisen – Grundvoraussetzungen dafür, letztlich auch im Studium zu bestehen.

In einem fachlich nicht verwandten Fach studieren

Mit einem Meistertitel oder einem vergleichbaren Fortbildungsabschluss (oft durch die Nachsilbe „-wirt“ gekennzeichnet) ist ein Studium ohne Abitur in einem beliebigen Fach möglich. Beruflich Qualifizierte dagegen haben meistens nur die Möglichkeit, in einem Fach zu studieren, das fachlich mit ihrem Beruf verwandt ist. Wer nach seiner Berufstätigkeit etwas ganz anderes machen möchte, hat das Nachsehen. Einige Bundesländer jedoch halten Sonderregelungen für diesen Fall bereit, die es mit etwas Mehraufwand ermöglichen, sich den Traum von einem nicht fachverwandten Studium doch noch zu ermöglichen. In Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel können Studenten, die eine fachlich gebundene Hochschulzugangsberechtigung haben und die Hälfte der Leistungen, die in einem fachlich verwandten Studiengang zu erbringen sind, absolviert haben, eine Prüfung ablegen. Bestehen sie diese erfolgreich, kann das Studium in einem Studiengang fortgesetzt werden, der fachlich nicht verwandt ist. In einem solchen Fall lohnt es sich, sich rechtzeitig vor Aufnahme des Studiums genau über die verschiedenen Studiengänge zu informieren. Unter Umständen ist eine Anerkennung der bereits absolvierten Leistungen in dem folgenden Studiengang möglich, sodass etwas Zeit und Mühe gespart werden kann.

Obwohl die rechtlichen Regelungen in den einzelnen deutschen Bundesländern zum Teil noch sehr unterschiedlich ausfallen, ist bereits eine Vereinheitlichung erzielt worden, die es Hochschulbewerbern ohne Abitur oder Fachhochschulreife ermöglichen, Zugang zum Studium zu erhalten. Damit ist nicht nur der Weg zu höherer Qualifizierung geebnet, sondern auch ein wichtiger Schritt in Richtung lebenslanges Lernen getan worden.

Studieren ohne Abitur an einer Fernhochschule

Ein Studium ohne Abitur ist auch an einer Fernhochschule möglich. Berufstätige haben derart die Möglichkeit, ein Studium zu absolvieren, ohne ihren Job aufgeben zu müssen. Doch auch Studierende, die ein Vollzeitstudium anstreben, profitieren vom Fernstudium. Sie können sich ihre Zeit flexibel einteilen und selbst entscheiden, wann sie am besten lernen wollen oder können. Zudem sind sie örtlich ungebunden, zumal der Großteil der Fernhochschulen verschiedene Prüfungszentren hat, in denen die Modul- und Abschlussprüfungen abgelegt werden.

Ebenso wie an einer Präsenzuniversität wird mit dem Meistertitel die Hochschulzugangsberechtigung erworben. Neben dem Meister berechtigt eine fachspezifische Fortbildungsprüfung, wie der Fachwirt oder der Techniker zur Aufnahme des Studiums. Ein Studium an einer Fernhochschule ist zudem mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung nach dreijähriger Berufserfahrung möglich, wobei ein Jahr Kindererziehungs- oder Pflegezeiten anerkannt werden. Beruflich Qualifizierte müssen, um abschließend zum Studium zugelassen zu werden, in der Regel eine Eingangsprüfung beziehungsweise spezielle Vorbereitungskurse besuchen. Hierbei geht es meistens um die Vertiefung beziehungsweise Prüfung von Deutsch-, Mathematik- und Englischkenntnissen. Diese Kurse und Prüfungen können von Fernhochschule zu Fernhochschule unterschiedlich sein.

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